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Eine kleine Einführung in das
Schwarz-Weiß-Labor

Fotografische Spezialtechniken

Agfa Contour

Interessante Effekte liessen sich mit Agfa Contourfilm erzielen. Dieser Film erzeugte ganz charakteristische Bilder, bei welchen nur eine bestimmte Negativdichte ohne Schwärzung  abgebildet wurde. Alle anderen Dichten, egal ob heller oder dunkler, werden schwarz abgebildet. Man benutzte dieses Material zur Auswertung wissenschaftlicher Untersuchungen, welche heute mit computerisierten Bildverarbeitungssystemen unternommen werden. Da dieses Material nicht mehr lieferbar ist, und auch kein anderer Hersteller ein ähnliches Material liefert, können Literaturstellen die dieses Material benötigen überlesen werden.

Solarisationen

Pseudosolarisationen bedienen sich des Sabatier-Effektes, welcher im vergangenen Jahrhundert von dem französischen Fotografen Sabatier gefunden und veröffentlicht wurde. Liegt ein Blatt Fotopapier unbewegt in einer Schale, verarmt die Entwicklerschicht über dem Papier an den Stellen wo es belichtet langsam aber sicher an aktiver Substanz. Von den benachbarten Regionen diffundiert Entwicklersubstanz nach und Kaliumbromid, welches beim Entwicklungsvorgang entsteht und die Entwicklung hemmt strömt in diese Nachbarregionen. Wird nun das Raumlicht kurz eingeschaltet, so kann nur an Stellen welche relativ weit von schon belichteten Punkten entfernt sind die Entwicklung sofort einsetzen. Die Ränder der ursprünglich belichteten Zonen werden von hellen Rändern umgeben. Diese Technik bringt wunderschöne Ergebnisse, ist jedoch nur schwer reproduzierbar.

Tontrennungen

Tontrennungen oder Isohellien bedienen sich spezieller Filmmaterialien um die im Idealfall aus unendlich vielen Graustufen bestehenden auf eine begrenzte Zahl von Graustufen zu beschränken. Man nutzt dazu Lith- oder Linefilme, welche im grafischen Gewerbe zur Herstellung von Lithos ( Druckvorlagen ) dient. Diese Filme zeichnen besonders kontrastreich, ist es doch das Ziel aus einer noch so schlechten Druckvorlage ein sattes Schwarz auf glänzendem Weiß zu machen. Ein typischer Vertreter ist Foma Repro 05 Strichfilm. Zur passgenauen Montage bedient man sich sog. Passerrahmen, welche man kaufen bzw. selbst anfertigen kann.

Mit diesen Materialien wird eine Reihe von 6 Positiven mit jeweils doppelter Belichtungszeit aufgenommen und als P1 bis P6 bezeichnet. Nach Entwicklung in Lithentwickler ( zB. Tetenal Dokulith ) werden diese Positive im Kontakt wiederum auf Lithfilm kopiert, was die Reihe der Negative N1 bis N6 ergibt. Nach der Entwicklung werden nun Paare P1 und N2, P2 und N3, etc. gebildet und passgenau montiert. Diese Paare können nun nochmals auf Lithfilm kopiert werden oder aber gleich weiter verwendet werden. Da zwischen P1 und N2 etc. eine Lücke besteht, können diese Paare mit verschiedenen Belichtungszeiten nacheinander auf ein Blatt kopiert oder vergrößert werden. Somit hat man eine Aufsteilung der Grautreppe erreicht.

Es ist auch möglich an Stelle von SW-Papier ein Colorpapier zu verwenden und die verschiedenen Pärchen mit unterschiedlichen Filterfarben aufzubelichten.

Tonungen

Die herkömmliche Brauntonung hat ihre Grundlagen in der ungenügenden Beständigkeit der Fotomaterialien des vergangenen Jahrhunderts. Diese wurde erreicht, indem das Bildsilber durch Behandlung mit Sulfidlösungen in braunes Silbersulfid verwandelt wurde. Mittlerweile wird diese Technik zur Veredelung von Bildern verwendet. Bei den Vorbereitungen ist es wichtig, sich geruchlosen brauntoner zu beschaffen ( zB. Tetenal Triponal Geruchlos ). Denn die bei "stinkenden" Tonern freiwerdenden Gase bestehen aus Schwefelwasserstoff und sind giftig ( sogar giftiger als Blausäuredämpfe ).

Braungetonte Bilder können mit Goldtoner einen angenehmen Rötelton erhalten. Sie sind aber wegen des Goldgehaltes recht teuer.

Eine besonders schöne Art der Tonung ist die Blautonung. Diese beruht auf der Bildung von Berlinerblau. Mit dieser Technik lassen sich sehr einfach Vortragsdiapositive erstellen. SW-Vorlagen werden auf Ektagrafic reproduziert und mit Tetenal Dokumol sehr hart auf mittlere Schwärzung entwickelt. Nach der Verarbeitung werden die Negative blaugetont. Fertig sind die Dias.

Eine Vielzahl von Farben liefert der Multitonersatz von Tetenal. Er beruht auf der chromogenen Entwicklung wie in echten Farbmaterialien. Die in Farbmaterialien in den lichtempfindlichen Schichten eingelagerten Farbkuppler werden beim Multitoner dem Farbentwickler beigesetzt. Durch Variation der Tonerkomponenten kann der Farbton variert werden.

Von der eigentlichen Tonung ist die Schichtfärbung zu unterscheiden. Dabei erhält man schwarze Bilder auf farbigem Grund. Geeignete Farbstoffe sind im Handel als Gelatinetoner, als Retuschefarben für Colorbilder oder in Form von "Ostereierfarben" erhält. Diese Farben eignen sich auch zum Colorieren von SW-Fotos. Man kann in der Tradition des 19. Jahrhunderts ganze Fotos colorieren oder mit der Farbe nur Akzente setzen ( Rote Coladose im SW Umfeld ).

Entzerrung und Retusche

Hinweise zu Entzerrungen und Retusche wären so umfangreich, daß hierzu auf die Literatur verwiesen werden muß. Aber vielleicht packt mich ja mal die Arbeitswut...

Verarbeitungsfehler

Da die Darstellung von Fehlern in der Verarbeitung ohne Fotobeispiele nicht möglich ist, wird an dieser Stelle auf die Literatur verwiesen. Die Bücher von Kisselbach und Marchesi liefern umfangreiche Beispielsammlungen. Empfehlenswert ist auch die Broschüre von Agfa, von der leider nicht bekannt ist, ob sie noch erhältlich ist. Auch hier liegt noch eine zukünftige Aufgabe für mich.

 

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